Aufbau des Vikariats
Ankommen, ausprobieren, reflektieren: Im Vikariat verbindest du dein theologisches Wissen mit echter Praxis. Du lernst, Gottesdienste zu gestalten, Menschen zu begleiten, Bildung zu ermöglichen und Kirche zu leiten.
Modular, Vernetzt & Praxisnah
In zwei Jahren lernst du wichtige Grundaufgaben für den Pfarrberuf. Du lernst in deiner Ausbildungsregion, im Evangelischen Studienseminar für Pfarrausbildung (ESP) und in deiner Regionalgruppe. Nach jedem Modul wird ein Themenbereich geprüft – nicht alles erst in einem großen Prüfungsblock am Ende. So kannst du Erfahrungen direkt reflektieren, deine Stärken einbringen und dich Schritt für Schritt weiterentwickeln.
So ist dein Vikariat aufgebaut
Eingangsphase – Ankommen. Orientieren. Vernetzen.
Zu Beginn erkundest du deine Ausbildungsregion: Wer sind die kirchlichen Akteure vor Ort? Wie hängt hier alles zusammen? Du lernst, was vernetztes Denken im kirchlichen Raum konkret bedeutet – und stellst dich der Frage, welche Rolle du als Pfarrerin oder Pfarrer einnehmen willst.
Modul 1 – Christus verkündigen und geistliche Gemeinschaft feiern
Du lernst, Gottesdienste zu gestalten – für die Grundschule genauso wie für eine diakonische Einrichtung oder eine Jugendkirche. Du übst Predigen, Kasualien gestalten (Hochzeiten, Taufen, Trauerfeiern), digitale Verkündigung und neue Rituale für verschiedene Kontexte. Kein Gottesdienst gleicht dem anderen – und das ist hier nicht das Problem, sondern die Aufgabe.
Prüfungen Modul 1
- Prüfung zum Bereich Gottesdienst: Einen ortsüblichen Gottesdienst gestalten und feiern + Nachgespräch
- Prüfung zum Bereich Kasualien: Eine Kasualpredigt und Gebete anhand eines fiktiven Kasualgesprächs formulieren als Open-Book-Aufgabe von Zuhause aus
Modul 2 – Lebensfragen und Lebensphasen seelsorgerlich begleiten
Seelsorge passiert überall: im Krankenhaus, im Altenheim, in der Beratungsstelle, in der Gemeinde. Du lernst verschiedene Gesprächsmodelle, systemische Gesprächsführung und wichtige Themenfelder wie Demenz, Trauer oder Suizidalität. Dabei bist du an unterschiedlichen Orten in deiner Region, wie Krankenhaus, Altenheim, Schule, Hospiz, Beratungsstelle u.a.
Prüfung Modul 2
Ein Prüfungsgespräch ausgehend von einer Fallbeschreibung – du analysierst, deutest, positionierst dich.
Profilphase
Du vertiefst Inhalte aus Modul 1 und 2 – oder du entscheidest dich für ganz eigene Schwerpunkte. Jahrgangsübergreifend, individuell, nach deinen Interessen und Stärken.
Modul 3 – Christliche Bildung ermöglichen
Religionsunterricht, Konfi, Erwachsenenbildung – und überall dieselbe Grundfrage: Wie bringst du Glaubensfragen so ins Gespräch, dass sie wirklich etwas bewegen? Du lernst das System Schule kennen, entwickelst deine Rolle als Lehrkraft und übst Unterricht für verschiedene Schulformen ein – ohne dabei zu vergessen, dass du auch als Pfarrperson da bist: Schulseelsorge und Schulgottesdienste verbinden dieses Modul direkt mit Modul 1 und 2. Dazu: Konfi-Arbeit im Team und außerschulische Bildungsanlässe – je nach dem, was in deiner Region möglich ist.
Prüfung Modul 3
Eine Lehrprobe in einer Klasse, die du vorher schon unterrichtet hast – mit Verlaufsplan und Nachgespräch.
Modul 4 – Gemeinde leiten und Kirche vernetzt entwickeln
Wie unterscheidet sich Leitung von Seelsorge? Wie baust du Teams auf? Wie führst du ein Projekt durch? Du lernst Organisationsentwicklung, Projektmanagement, nimmst an einem Betriebspraktikum teil und leitest ein eigenes Projekt in deiner Ausbildungsregion.
Du präsentierst ein eigenes Leitungsprojekt und verteidigst es im Abschlusskolloquium – dem zusammenfassenden Prüfungsgespräch zum Vikariatsende.
Prüfung Modul 4
Du präsentierst ein eigenes Leitungsprojekt und verteidigst es im Abschlusskolloquium – dem zusammenfassenden Prüfungsgespräch zum Vikariatsende.
Querschnittsthemen – Öffentlichkeitsarbeit & Kirchenrecht
Beide Themen ziehen sich durch alle vier Module – immer da, wo sie inhaltlich hingehören. Öffentlichkeitsarbeit ist mehr als Social Media: Sie ist eine theologisch begründete Leitungsaufgabe. Kirchenrecht klingt trocken – ist es nicht, wenn du weißt, welche Spielregeln wirklich zählen. Medienspezialistinnen und Juristinnen aus dem Landeskirchenamt begleiten dich dabei durch die gesamte Ausbildung.
Prüfungen Querschnittsthemen
- Prüfung zum Bereich Öffentlichkeitsarbeit: Du begleitest medial ein reales oder fiktives Projekt – mit Pressemeldung, Social-Media-Content und Gemeindebrief-Beitrag, dokumentiert in einem Blog.
- Prüfung zum Bereich Kirchenrecht: Eine orientierende mündliche Prüfung anhand eines fiktiven Falls
Modularisiertes 2. Examen
So laufen die Prüfungen ab
In der ELKB gibt es kein Zweites Theologisches Examen ganz am Ende. Stattdessen sind die Prüfungen über die gesamte Ausbildungszeit verteilt – immer dann, wenn du ein Thema gerade wirklich durchdrungen hast. Die Zahl der Prüfungen wurde bewusst reduziert, und du bringst in jede Prüfung mehr von dir selbst ein: deine Perspektive, deine Vorarbeit, deine Stärken. Deine Ausbilderinnen und Ausbilder sind beteiligt – das macht Prüfungen zu einem echten Teil der Ausbildung, nicht zu ihrem abschließenden Stresstest.
Karl-Christoph über sein Vikariat
Jeder Tag sieht anders aus.
Ausbildungsregion, ESP & Regionalgruppe
Wo findet die Ausbildung statt?
Deine Ausbildung findet nicht an einem einzigen Ort statt, sondern an dreien – die sich gegenseitig ergänzen:

Ausbildungsregion
In deiner Ausbildungsregion – meist einem Dekanat – verbringst du den Großteil deiner Zeit. An Schulen, in Diakonieeinrichtungen, in Kirchengemeinden und Beratungsstellen lernst du, wie kirchliches Leben wirklich funktioniert – vernetzt, vielschichtig, lebensnah.

Evangelisches Studienseminar für Pfarrausbildung (ESP)
Im ESP trifft sich dein Jahrgang in Bildungshäusern in ganz Bayern. Dort reflektierst du deine Erfahrungen aus der Region mit Studienleiterinnen und Experten – in kleinen Gruppen, mit verschiedenen Methoden, auf Augenhöhe.

Regionalgruppe
In deiner Regionalgruppe triffst du dich regelmäßig mit einer kleinen Gruppe von Vikarinnen und Vikaren aus deiner Region – angeleitet von einer Fachbegleiterin oder einem Fachbegleiter. Hier geht es um die konkrete Reflexion deiner Praxis, gegenseitige Schulbesuche und fachliche Vertiefung. Diese Treffen finden eintägig statt – an wechselnden oder festen Orten, teils auch digital.
Häufig gestellte Fragen
Noch offene Fragen? Dann findest du hier die Antworten auf die meistgestellten Fragen zum Aufbau des Vikariats in der ELKB. Noch mehr Antworten findest du im FAQ Bereich.
Welche Aufgaben lerne ich im Vikariat kennen?
Alle Grundaufgaben, die zum Pfarrberuf in einer Kirchengemeinde gehören: Also Verkündigung (v.a. Gottesdienst), Menschen seelsorgerlich begleiten, Bildung ermöglichen (Religionsunterricht, Konfi u.a.), sowie Kirchhe zu leiten und zu vernetzen.
Kann ich im Vikariat mein eigenes Profil entwickeln?
Ja. Das Vikariat vermittelt dir die Grundaufgaben des Pfarrberufs und lässt dir gleichzeitig Raum, deine eigenen Stärken und Interessen weiterzuentwickeln.
Was ist eine Regionalgruppe?
In der Regionalgruppe triffst du dich regelmäßig mit anderen Vikar:innen aus deiner Region. Ihr besprecht eure Erfahrungen, besucht euch gegenseitig und vertieft fachliche Themen.
Was mache ich im Evangelischen Studienseminar?
Im ESP reflektierst du deine Erfahrungen aus der Praxis. Du arbeitest dort mit Studienleiter:innen und Fachleuten in Gruppen und mit unterschiedlichen Methoden.
Was ist eine Ausbildungsregion?
Deine Ausbildungsregion ist meist ein Dekanat. Dort lernst du verschiedene kirchliche Arbeitsfelder kennen – zum Beispiel Kirchengemeinden, Schulen, Diakonieeinrichtungen und Beratungsstellen. Je nach Modul arbeitest du in verschiedenen Einrichtungen mit.
Wo findet mein Vikariat statt?
Deine Ausbildung findet an drei Orten statt: in deiner Ausbildungsregion, im Evangelischen Studienseminar für Pfarrausbildung (ESP) und in deiner Regionalgruppe.
Gibt es in Bayern ein Zweites Theologisches Examen?
Ja, aber nicht wie früher. In der ELKB sind die Prüfungen im Vikariat über die Ausbildungszeit verteilt und an die jeweiligen Themen und Module gekoppelt. So gibt es immer mal wieder Prüfungen, aber keinen großen Prüfungsblock am Ende.
Welche Phasen gibt es im Vikariat?
Im Vikariat wechseln sich Zeiten in deiner Ausbilduungsregion und Zeiten im Studienseminar ab. Du konzentriest dich dabei je nach Modul auf bestimmte Themen.
Wie lange dauert das Vikariat in der ELKB?
Das Vikariat dauert zwei Jahre und führt dich Schritt für Schritt an die zentralen Aufgaben des Pfarrberufs heran.
Gut begleitet im Vikariat
Gut zu wissen: Wer dich durch das alles begleitet – und wie das Mentorat funktioniert – erfährst du hier.
