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Grzegorz Wierciochin, Vikar im Quereinstieg

Ich wusste lange nicht, dass ich Pfarrer werden will.

Grzegorz Wierciochin ist Vikar in der Gemeinde Fechheim in der Pfarrei im Neustadter Kessel. Er kam nicht direkt nach der Schule zur Theologie, sondern erst nach einem Studium, einem Beruf und einer ersten Promotion. Im Portrait erzählt er, wie sich sein Wunsch nach einem neuen Weg entwickelt hat, was ihn im Theologiestudium überrascht und warum er Menschen ermutigt, einfach loszugehen.

Ein neuer wunsch entsteht

Über Umwege zur Theologie

Grzegorz wusste nicht schon immer, dass er Pfarrer werden wollte. Erst gegen Ende seiner 30er-Jahre kristallisierte sich dieser Wunsch langsam heraus. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits studiert, in einem Beruf gearbeitet und eine erste Promotion abgeschlossen. Sein bisheriger Weg war dabei kein Umweg, den er einfach hinter sich lassen musste. Was Grzegorz in seinem früheren Beruf und im ersten Studium gelernt hat, kommt ihm heute zugute. Für ihn waren diese Erfahrungen eine wichtige Vorstufe und ein Zwischenschritt auf dem Weg ins Pfarramt. Trotzdem war die Veränderung nicht leicht. Ein bisheriges Leben mit seinen beruflichen Bindungen und vertrauten Strukturen aufzugeben, braucht Mut. Grzegorz musste sich darauf einlassen, einen neuen Weg einzuschlagen und Gewohntes hinter sich zu lassen.

Ein Mann in einer schwarzen Robe hält in einer Kirche eine Rede am Rednerpult, das mit einem Mikrofon und einem violetten Tuch drapiert ist. Im Hintergrund ist ein Wandgemälde zu sehen.

Auf einen Blick

  • Name: Dr. Grzegorz Wierciochin
  • Aktuelle Ausbildungsphase: Vikariat
  • Einsatzort: Gemeinde Fechheim in der Pfarrei im Neustadter Kessel
  • Sein Weg zur Theologie: über ein Studium, einen Beruf und eine erste Promotion
  • Was ihn am Studium bereichert hat: verschiedene Perspektiven auf biblische Texte und theologische Fragen
  • Was er im Vikariat erlebt: eine vielfältige Gemeinschaft mit unterschiedlichen Altersgruppen, Herkunftsregionen und Spiritualitäten
  • Seine Botschaft: Du bist richtig, so wie du bist
„So wie du bist, kannst du hierher kommen“

Studieren ohne festen Plan

Theologie zunächst für sich selbst studiert

Grzegorz studierte Evangelische Theologie zunächst als Master of Theological Studies in Marburg. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch nicht den konkreten Plan, Pfarrer zu werden. Er wollte sich mit theologischen Fragen beschäftigen und für sich selbst mehr verstehen. Grzegorz kommt aus einer gläubigen Familie. Für ihn war es deshalb nicht überraschend, sich mit Theologie auseinanderzusetzen. Trotzdem war der Weg ins Pfarramt keine Selbstverständlichkeit. Eine Berufung würde er erst dann nennen, wenn jemand ganz sicher weiß: „Ich will das und nichts anderes mehr.“

Ein Pfarrer in einer schwarzen Robe hält ein Buch in der Hand und gestikuliert, während er zu den Menschen spricht, die in den Kirchenbänken sitzen.

Eine heilsame Enttäuschung

Neue Perspektiven auf die Bibel

Eine besondere Erfahrung machte Grzegorz bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte von der Blindenheilung im Markusevangelium. Diese Bibelstelle wurde für ihn zu einer ersten „heilsamen Enttäuschung“. Plötzlich stand er vor den Trümmern seines bisherigen Bibelverständnisses. Heute liest Grzegorz solche und ähnliche Bibelstellen vorsichtiger und aufmerksamer. Das Theologiestudium hat ihm gezeigt, dass biblische Geschichten auf unterschiedliche Weise verstanden und ausgelegt werden können. Im Studium lernte Grzegorz verschiedene Perspektiven kennen: wie Menschen in der Geschichte und in der Gegenwart über biblische Texte nachgedacht haben. Diese Vielfalt bereichert ihn. Sie ermöglicht, vertraute Texte neu zu sehen und die eigenen Überzeugungen weiterzuentwickeln.

Ein Mann in einer schwarzen Robe steht in einer Kirche, die mit Weihnachtsbäumen, Kerzen und roten Christbaumkugeln geschmückt ist; er hält ein Buch in der Hand und schaut nach unten.

Dein nächster Schritt

Du möchtest wissen, wie der Weg ins Pfarramt auch nach einem ersten Studium oder Beruf aussehen kann? Informiere dich über die verschiedenen Möglichkeiten eines Quereinstiegs.

Verbunden sein, ohne gleich zu sein

Vikariat und Studienseminar als offene Gemeinschaft

Das Studienseminar erlebt Grzegorz als einen offenen und besonderen Raum. Auch der Vikariatskurs ist für ihn sehr vielfältig. Dort treffen Menschen mit unterschiedlichen Altersgruppen, Lebensgeschichten und Erfahrungen aufeinander. Im Kurs sind deutlich ältere und deutlich jüngere Menschen als Grzegorz. Manche kommen aus Sachsen, andere aus Bayern. Auch verschiedene Spiritualitäten gehören zur Gruppe. Gerade diese Unterschiede machen die Gemeinschaft für ihn interessant und bereichernd. Grzegorz erlebt, dass Menschen nicht gleich sein müssen, um miteinander verbunden zu sein. Im Vikariat finden sie einen gemeinsamen Raum, in dem unterschiedliche Erfahrungen und Glaubenswege Platz haben.

Ein Mann in einem schwarzen Priesterhemd sitzt in einer warm beleuchteten Kirche, im Hintergrund sind ein Weihnachtsbaum und ein sternförmiges Licht verschwommen zu erkennen.

Eine ermutigende Botschaft

„Du bist richtig, so wie du bist“

Eine Botschaft, die Grzegorz mit seiner Ausbildung und der Kirche verbindet, lautet: „Ihr seid richtig, so wie ihr seid.“ Jede und jeder kann mit der eigenen Geschichte, den eigenen Fragen und der eigenen Persönlichkeit kommen. Für Grzegorz kann man auf diesem Weg eine neue Verbundenheit erfahren – mit Gott, mit sich selbst und mit anderen Menschen. Die Gemeinschaft kann dabei tragen und Halt geben. Wer sich für den Weg ins Pfarramt entschieden hat, sollte ihn nach Grzegorz’ Überzeugung auch gehen. Niemand kann vorher alles wissen oder perfekt vorbereitet sein. Im Studium und im Vikariat gibt es viel zu lernen – auch über sich selbst.

Eine kleine Gruppe von Menschen steht und kniet in einer Kirche und liest aus Büchern neben einem geschmückten Weihnachtsbaum und einer Krippe.

Sinn und Ankommen finden

Ein anstrengender Weg, der trägt

Grzegorz verschweigt nicht, dass dieser Weg anstrengend sein kann. Wer Theologie studiert und Vikar oder Vikarin wird, muss sich intensiv mit den eigenen Fragen, Überzeugungen und Grenzen auseinandersetzen. Gleichzeitig kann dieser Weg ein starkes Gefühl von Sinnhaftigkeit und Verbundenheit schenken. Grzegorz erlebt die Gemeinschaft als einen Ort, an dem Menschen ankommen können und getragen werden.

Ein Mann mit Priesterkragen und schwarzem Mantel steht im Freien vor einem großen Steingebäude, im Hintergrund sind Stufen und Bäume zu sehen.
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